ELEKTRISCHE SCHAFE

Back to Berlin. Natürlich war es hier noch windiger, noch kälter und noch regnerischer. Die Bäume beinahe nackt. Und in dem Tunnel von der Bahnhaltestelle zur anderen Seite der Straße, den ich immer gerne mochte, weil darin eine auf wundersame Weise konservierte Christiane-F.-Stimmung herrschte, waren zu beiden Seiten der Tunnelwände Erneuerungsarbeiten im vollen Gang. Auf der linken Seite war der herrlich taxifarbene Fliesenbelag schon mit einer Schicht Haftputz überdeckt (chipperfieldfarbend.) Auf der gegenüberliegenden war mit einigem Abstand zur Wand ein langes Gitter bis hinauf zur Decke aufgebaut, das mit einem Sichtschutz aus Planen verhängt war. Aus dem verhängten Raume, dem schmalen, war menschliches Sprechen und putzendes Schaben zu vernehmen. Ich klopfte am hinteren Ende des Gitterschlauches auf die Plane an. Stellte sich dann heraus, dass dies Kunstflieser waren, die nach einer Vorlage des im juste milieu beliebten Illustrators Christoph Niemann ein sich über die gesamte Tunnelwand bis zur Tunneldecke erstreckendes Wandmosaik aufbrachten. Und zwar aus, die Matrix, der Grid war gewißermaßen vorgegeben durch die Abmessungen der ursprünglich aufgebrachten Fliesen: rechteckigen, dafür aber aus sämtlichen Rosatönen rekrutierten Fliesen. Vom Motiv her ergibt sich da zwangsläufig etwas pixelhaftes. Ich empfand‘s, schaute aber bloß halbfertiges: als eine Verschlimmbesserung des Tunnelambientes (vor allem wenn man sich die erhaltenen Fliesenkunstwerke in den U-Bahnhaltestellen Berlins vergegenwärtigt zum Vergleich; Anspieltip: Wilmersdorfer Straße!)

Die Fliesenleger fanden‘s natürlich gut. Weil mal was anderes. Und ganz so diffizil wie das sogenannte Richter-Fenster im Kölner Dom, obwohl vom rechteckigen Grid her schon vergleichbar, war das Motiv des Niemann-Tunnels freilich nicht.

Bleischwarz aufgewühlt der See. Auf dem Rasen am Ufer zieht ein Gefährt seine Bahnen. Unermüdlich, obwohl es stürmt wie wild. Es ist ein Mähroboter. Wenn die Dunkelheit hereinbricht, schaltet er vorne zwei Scheinwerfer ein. Wozu er die wohl braucht? Um besser zu sehen ja wohl nicht. Einfach damit man sich nicht vor ihm fürchtet, weil er sich in der Dunkelheit zurechtfinden kann.