»2017 – Year of the Cat«

»2017 – Year
of the Cat«
Tagebuch

31.12.

Es schneit. Noch ist es nur eine dünne Schicht auf dem Dach des alten Fabrikgebäudes im Hinterhof (in dem ich extrem gerne eine Milchbar eröffnen würde, aber das ist eine andere Geschichte, die erzählt werden wird in einem anderen Jahr). Das Wetter ist heute also genau andersherum, als es gestern noch in der Tagesschau versprochen ward: nicht sonnig, nicht hell, die Pyramide an der Spitze des Messeturms ist nicht zu sehen, der Rest vom Messeturm auch nicht; die klare Sicht aufs Feuerwerk wird ebenfalls nicht möglich sein, denn wenn es so weitergeht, dann fällt der Schnee ab 15 Uhr, spätestens viertel vor vier dann richtig dicht an dicht in großen Flocken runter.

Bis dahin, also jetzt gerade, verhält sich dieser Schnee noch so wie dieser rührende Hund, von dessen zurückhaltender Art Alexander Gorkow eine Serie von drei Bildern auf Twitter gepostet hatte. Auf einem sieht man nur den schwarzen Schnauzenfleck, wie er sich unaufdringlich in den Spalt einer Zimmertür geschoben hat, um etwas von den Düften dort (als Mensch nimmt man anhand der Lichtstimmung von dort hinter der Tür auch Kerzen wahr, halb ausgetrunkene Weingläser, Aschenbecher, Bässe von Musik in Stereo, Stimmengewirr, aber das alles sagt dem Hund halt nichts) einzusaugen; nur die Schnauzenspitze, die wie aus Gummi gemacht wirkt, schiebt er herein und darunter steht eine Zeile von Menschenhand: »Hund, der nicht betteln darf, aber zeigt, dass es ihn gibt #Terror #Hunger #2016«.

In diesem Sinne. Und nicht nur, weil es zuletzt dann doch noch geschneit hat: Es war ein sehr schönes Jahr. Vor allem wegen Friederike.

30.12.

Aufgeweckt um drei Uhr in der Frühe vom Mondschein, der in dieser klaren Nacht verstärkt wurde von den Neonleisten an den Kanten der Pyramide hoch oben am Messeturm, in deren Gehäuse ich, lange ist es her, mir die Wohnung eines Gurus fantasiert hatte. Der Pfad meiner Genesung hatte mich am Tag stadtauswärts geführt auf der Mainzer Landstraße, nachdem ich in der Rhein-Main-Zeitung von einem Grundstück dort gelesen hatte, auf dem seit dem Sommer schon die obdachlosen Mitglieder einiger Romafamilien in selbstgebauten Biwaks wohnen. In dem Bericht wurde eine offizielle Quelle zitiert mit den Worten, dass man dort »das Versagen des Sozialstaates vor Augen geführt bekomme«. Wollte ich mir anschauen. Ohne Karte wandernd, die Sonne von schräg oben links, auf dass ich manchmal blinzeln musste, tröpfelte die Stadt bald aus – nach der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers in den Adlerwerken. Ein islamisches Bestattungsunternehmen und an der Wand stand hingesprüht »YUPPIES VERTREIBEN GEFLÜCHTETE BLEIBEN«. Auf dem Parkstreifen neben den Bahngleisen waren drei lange Wohnwägen in Folge abgestellt. Schrebergärten füllten die dreieckigen Landstriche zwischen den Autobahnzubringern auf. In einem der Gärten stachen die Wassertriebe eines ungepflegten Apfelbaumes in den blitzblauen Himmel, wo in der Weite die dunklen Rücken des Taunus sich zeigten. Die gelben Äpfel wirkten, obwohl mittlerweile schon mehrfach nachts durchgefroren, noch frisch, aber die Wicklungen rostigen Stacheldrahtes auf dem Blechzaun machten ein Zugreifen unmöglich. Lange, offenbar viel zu lange, betrachtete ich einen mir entgegenstürmenden jungen Mann, bis ich dann endlich begriffen hatte, was mir an seiner Silhouette als merkwürdig oder unstimmig aufgefallen war: An beiden Händen fehlten ihm sämtliche ersten Fingerglieder. Die Hände wirkten deshalb auch schon von weitem besehen, und dazu im Gegenlicht, Schaufeln ähnlich. Vermutlich war er schon tausendmal, seitdem ihm dieses Unglück mit einem modifizierten Böller passiert war, auf diese Art musternd, angestarrt worden. Im Vorbeigehen rief er mir zu, ob ich »ein Problem« hatte; also nicht speziell mit seinen verstümmelten Fingern, sondern generell: ob ich ihm ein Problem zu werden versprach. Diesem glaubhaft widersprechend, beeilte ich mich meines Weges zu gehen. Einander freundlich hinterherschreiend, strebten wir in entgegengesetzten Richtungen davon. Er auf die Stadt zu, ich unter der Brücke hindurch, wo sich am Wegesrand die Verbotsschilder häuften, die mit Strafen für unerlaubtes Abladen von Müll drohen sollten. In der Kurve einer üppig ausladenden Fußgängerbrücke über den Gleisen war ein abgeschmückter Weihnachtsbaum aufgestellt, an dessen unteren Etagen zwei laminierte Ausdrucke darauf hinwiesen, dass es sich bei diesem öffentlichen Weihnachtsbaum um eine Spende des Ortsvereins Griesheim handelte (oder gehandelt hatte, denn ohne Schmuck und bloß mit den Hinweisschildern dran handelte es sich ja streng genommen bloß noch um einen abgesägten Tannenbaum).

Dort, im verträumten Zentrum des einst unabhängigen Städtchens, kaufte ich ein Set für das Bleigießen in der Silversternacht und ging dann, gelockt vom sonnig strahlenden Widerschein des Flusses am Ende der Gasse eben dorthin: an den Main. Wenn der Rhein der Vater sein sollte, was war dann der Main? Sein schlanker Bruder? Ein dicker Sohn? Ganz klar schien das Wasser über den mit pelzigen Algen überzogenen Felsbrocken. Ein hüggeliger Park war dem letzten Bürgermeister der Stadt Griesheim, Benno Schubert, geweiht, einem, wenn die Gestalt dieses Parks als ein Abbild seiner Seele zu nehmen war, Mann des Ohne-großen-Drumherums. Drei Schüler versuchten dort gerade noch mit ihren Ranzen auf, ein Rudel Nilgänse zu drangsalieren, die in einem kalten Sandkasten nach Würmern gruben. Was schließlich gelang. Hörbar genervt, erhob sich erst eins, dann auch die übrigen der schweren Tiere in die Luft, um nach nur einem Augenblick ihres wenig imposanten Formationsfluges ein paar Meter weiter in dem für die Schüler lebensfeindlichen Element des eisig kalten Flusswassers zwischenzulanden.

Im Sommer, vielleicht ja auch schon bald, wenn das mit den sonnig-klaren Tagen bloß so weitergehen würde, könnte man sich sehr gut dort an dem Pfeiler der großen Eisenbahnbrücke auf die Liegestühle fallen lassen, die vor dem Lattenverschlag mit Namen Orange Beach bereitgestellt waren, um einen Apfelwein zu genießen. Trinkenderweise. Das Motto lautete, hinter Folie zu sehen: »Sonnen, Chillen, Bierchen killen«. Vor allem liefe das dann unter dem Motto eines befugten Aufenthaltes. Daneben ragte ein Warnschild der Hafenbehörde auf, das gemäß Gefahrenabwehrverordnung für Häfen den unbefugten Aufenthalt im Hafengebiet für nicht erlaubt erklärte. Der Rausch des Neuen, der mich in noch unbekannten Städten ergreift, hält, das ist mir mittlerweile bewusst, nicht ewig an. Wie jeder Rausch hat auch dieser eine unangenehme Komponente, die bekämpft werden will, sonst droht ein Überschnappen in Ekstase und dann finge ich an, jedes Schild zu fotografieren, jedem Blässhuhn zu huldigen als einem Boten einer mir vertrauten Welt (und tatsächlich sah ich auch dort, am Uferstreifen des Griesheimer Hafens das mir wohlbekannte Kopfruckeln aus dem Augenwinkel – rasch weiter, schnell fort, bevor ich noch anfinge, mich mit der Produktion von Lockgeräuschen vor den Griesheimern zu blamieren).

So kam ich endlich auf die Gutleutstraße, die, ich war durch Griesheim wie in einer Schleife gefädelt worden, von beiden Seiten mit Industrie flankiert, zurück in die Innenstadt führte. Man kann mir mit nur wenig so viel Freude bereiten wie mit einem Industriegebiet an einem sonnig-klaren Tag. Ich will auch gar nicht genau wissen, was in den einzelnen Komplexen hergestellt wird, sondern erfreue mich schon an den Sonderformen der fensterlosen Gebäude, den blinkenden Röhren, die kreuz und quer hinter den Zäunen geführt werden, den schweren Maschinen und hoch aufragenden Silotürmen. Ungefähr auf der Mitte des Weges vor der Stadtgrenze befindet sich das Briefzentrum der Deutschen Post. Ein Schicksalsort, insbesondere für die Liebenden, die sich noch Briefe und Karten schreiben. Von hier aus, in diesen fensterlosen Hallen werden ihre Zeilen verteilt. Was von hier aus nicht weitergeleitet wird und in der Vorform des Funkloches verschwindet, ist unwiderbringlich und endgültig fort. Es stand dort sogar ein Briefkasten vor dem Briefzentrum, obwohl ja weit und breit nur Industriegebiet herrschte; eine von hier abgeschickte Ansichtspostkarte, womöglich noch mit dem Briefzentrum drauf: schöner kann man den Postfreund nun wirklich nicht mehr beschenken. Vom gegenüber gelegenen Gutleutimbiss muss ich hingegen zwar nicht gerade abraten, doch sollte die dort gebratene Rindsworscht nur in Ausnahmefällen, also etwa bei extremem Gefühl des Ausgezehrtseins, oder schon beinahe selbst als wahnhaft verspürtem Rindsworschtappetit, bestellt werden. Verzehrt habe ich sie dann nur zur knappen Hälfte (was eingedenks meines sparsamen Wesens wohl etwas heißen will!).

Schön ablesen, zumindest bei größeren Unternehmungen, lässt sich in Industriegebieten auch die jeweilige Firmengeschichte hinsichtlich deren wirtschaftlichen Erfolgs: vergleichbar hier etwa mit den Jahresringen in einem durchgesägten Baumstamm findet sich die Keimzelle des Unternehmens in einem grobschlächtigen Zweckbau aus den Siebzigerjahren, dann, klötzchenhaft verspielt und mit brüniertem Glas wurde in den Achtzigern ein Gebäude für Buchhaltung und Marketing hinzugesellt, in den Neunzigern vielleicht noch eine technologisch motivierter Pavillion und im Moment weiß man halt noch nicht so recht, wie das alles weitergehen wird. Das ist sogar bei Schulen so, wie ich es ganz beispielhaft am Fallbeispiel der städtischen Werner-von-Siemens-Schule, einer Berufsschule für Elektro-, Informations-, und Medientechnik, vorgeführt bekam. Erbaut in den frühen Achtzigerjahren in der lupenreinen Architektur der sogenannten Postmoderne, schaut dagegen die Staatsgalerie Stuttgart geradezu nüchtern und zweckmäßig aus: maurisch karierte Sequenzen im Mauerwerk, arkadische Laubengänge in hochglänzendem Weiß gekachelt samt verblichenen, einst pinkfarbigen Fensterprofilen: es ist alles da. Und, das lässt sich ja auch insbesondere an den ländlichen Bankfilialen aus dieser Epoche begutachten: von dem für die Postmoderne üblichen Schwarzschimmel befallen. Ob das, die Ursache für einen spezifisch die Postmoderne Architektur befallenden Schwarzschimmel, nun an den damals verwendeten Steinsorten liegt, oder aber an einer nur damals verwendeten Isoliertechnik, in einer Kombination aus beidem – ich weiß es leider nicht.

Auf der Spitze eines gedachten Dreieckes zwischen der Berufsschule, dem Imbiss und der Fabrik des Druckfarbenherstellers Carl Milchsack stand ich übrigens kurz vor der berüchtigten Brache. Sie schien mir vor allem halt weitflächig, dafür sehr aufgeräumt. Ganz hinten im Blick: die Biwaks der Roma. Einige Menschen. Auf dem Beton hinter dem Gitter stand sinnlos ein elektrischer Rasenmäher herum.

Frankfurt ist, hier mit Berlin verglichen und dabei textlich gesprochen: nicht zu lang. Es folgt Knüller auf Knaller; oder No Fillers, just Killers, wie es früher auf den Houseplatten geheißen hatte – zumindest für mich; jedenfalls solange ich die Stadt noch nicht gut genug kenne, um nicht mehr von ihr berauscht zu werden. Von der Abfolge der Bilder und Szenen, von der Abfolge der Situationen vor alledem. Warum es gleich hinter dem Hauptbahnhof in einer Seitengasse, in der Martin Mosebachs Der Mond und das Mädchen meiner Vermutung nach spielt, drei Fachgeschäfte für Motorsägen hintereinander gibt, will ich noch unbedingt herausfinden, beispielsweise. Deren ansichtig geworden, musste ich an Thomas Meinecke denken, der ja früher öfter mal eine schöne Jacke angehabt hatte, auf der war ein Aufnäher mit dem Logo des Motorsägenherstellers Stihl. In der derzeit aktuellen Ausgabe des Faltblattes, mit dem die Restaurants und Läden des Bahnhofsviertels von Frankfurt für sich Werbung machen, und zwar auf eine sehr schöne Weise, denn auf der Rückseite des auf bestem Papier gedruckten Posters ist einformatig ein türkischer Fischschlachter zu sehen, wie er seine glitschige Ware präsentiert, spricht mir Thomas Meinecke dann auch aus der Seele, wenn er die kompakte Diversität Frankfurts nur noch mit den Verhältnissen im Hamburger Stadtteil St. Pauli zu Beginn der Neunzigerjahre vergleichen kann. Das geht mir haargenau so. Und ich weiß, wovon ich rede, denn schließlich war ich damals vor Ort. Gleich über dem Interview steht dort auf dem Faltblatt eine Anzeige der Frankfurter Sparkasse, die mit einem rötlich eingefärbten Geldautomaten, der halb von einer nackten Frauenbrust verdeckt wird, für ihre Dienste wirbt: »Als Kunde der Frankfurter Sparkasse können Sie an über 25.000 Geldautomaten deutschlandweit kostenlos Geld abheben. Allein in Frankfurt stehen Ihnen über 200 Geldautomaten zur Verfügung. Zum Beispiel in der Elbestraße 49-53 im Laufhaus ‚Crazy Sexy‘. Denn manchmal muss es eben Bargeld sein.«

Das sind die Widersprüche. Die gilt es auszuhalten. Und so ließ ich mich zwischen den funkelnden Türmen auf dem Platz vor dem Café an der Hauptwache nieder, einem herrlichen Ort, wo der Apfelwein nur mit 5 Euro das Glas berechnet wird, und wo auf den Herrentoiletten im Kellergeschoss die Urinale stets frisch mit haufenweisen Eiswürfeln befüllt werden. Warum auch immer. Oder wozu. Die Klofrau, eine Westafrikanerin, die zu den karibischen Rhythmen ihres kleinen Verstärkers wie entgeistert auf der Stelle neben ihrem Trinkgeldteller vor sich hin skankt, weiß wahrscheinlich auch nicht so recht; sie macht’s halt einfach.

Auf dem Heimweg dann, längst war es dämmrig geworden und dementsprechend auch kalt, endlich erster Widerhall von Böllern aus Hinterhöfen.

Feierabend mit Goldrand.

29.12.

Eingeschlafen in der Gewissheit, dass ich am Morgen wieder befreit sein würde und gesund. Den ganzen Tag hatte ich mit Lesen verbracht, das geht ja komischerweise selbst dann noch, wenn das Denken sonst unmöglich scheint. Aber aufsaugen, empfangen kann mein Gehirn selbst noch unter der Schnupfenglocke*. (Blind werden, wie Borges und sich dann alles nur noch vorlesen lassen können, stelle ich mir schrecklich vor, anstrengend vor allem, weil ich mich dann vermutlich sehr beherrschen müsste, um alles genau registrieren zu können und mir nicht, noch während ich es eingetrichtert bekäme, dazu die sogenannt eigenen Gedanken zu machen; in einer solchen Situation könnte ich mir den leichtsinnigen Umgang mit den Informationen nicht mehr leisten. Sämtliche Wahrnehmung würde verschult, weil ich als Blinder dann unmündig geworden wäre.)

Ob man dann spürt, am Luftdruck eventuell, an den Geräuschen, die aufgrund des veränderten Luftdrucks anders als sonst, klarer, schneller, an den durch die Blindheit mächtiger gewordenen Hörsinn gelangen, dass es ein schöner Tag wird? Es wird auch einer, das konnte ich erkennen, schon bevor die Sonne aufging, am klareren Grau der Fassaden vor dem Fenster, an denen dann zum Kaffee schon erste Sonnenflecken erschienen waren. Kondensstreifen natürlich, die, weil es wohl noch kalt ist dort oben, klar definiert und schmal im Himmelsgrau erschienen und die wie die Säulen des Dampfes, den Botho Strauß korrekt als Wrasen bezeichnet, der aus den sieben Schloten der Gebäude, die vom Fenster aus zu sehen sind, von innen heraus leuchteten, bevor die Sonne aufging. Dazu Vogelstimmen, vor allem Amseln. Denen geht es wie mir, dem gesundeten Kranken: Kaum scheint die Sonne wieder, ist die Sonnenlaune voll da.

* Und in dem Fall muss ich halt auch leider sagen leider, denn wie in jedem guten Wartezimmer lag hier die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Neon herum, deren Lektüre für mich jahrelang zu den guilty pleasures zählen durfte, aber was ich da gestern serviert bekam, schaffte es nun wirklich, keinerlei Freude zu bereiten. Das herrliche Schuldgefühl, das sich einst noch bei jedem Blättern in einer Ausgabe des Studentinnenreports verlässlich eingestellt hatte, blieb aus. Schnöde ist ein glimpfliches Wort. Im Grunde trifft selbst Spießorama nicht zu. Egalon. Ich musste an Gabriele D’Annunzios Erzählung Der Märtyrer denken. So, wie er darin die Notoperation eines an einem Furunkel leidenden Matrosen beschreibt, genau so werden im Verlag Gruner+Jahr halt seit jeher und immer noch die Zeitschriften, die dort als »Objekte« geführt werden, repariert. In meinem Fall aber hatte diese an der Wand entlang gekachelte Methode offenbar Wirkung gezeigt, denn so wurde ich schließlich durch meine Furcht geheilt. Nicht einen Tag länger hätte ich es bei dieser Wartezimmerlektüre noch aushalten wollen. Und so fühlte sich mein aufs geistige Überleben fixierte Gehirn zu einer Blitzheilung angespornt.

Doch nun: hinaus an die Sonne, um letztes Niesen zu erlösen.

28.12.

Um den scheußlichen Schnupfen, der mich während der Weihnachtstage befallen hatte, abzuschütteln, besuchte ich das schöne Einkaufszentrum. Selbst dort wollte keine Freude aufkommen. Obschon ich unter der Schnupfenglocke willig war, drang von dem Außen dort zu wenig zu mir durch. Schnupfen, für viele eine Bagatellerkrankung, nimmt mir so viel von all dem, was ich gerne habe: Eine Welt ohne Düfte, ohne Aromen und dazu noch mit den vom permanenten Druckschmerz auf den Augenlidern behinderten Sehvergnügen zeigt sich wie in einer für mich falschen Geschwindigkeit abgespielt. Ich erinnerte mich an meine vor zwei Jahren verstorbene Großmutter Margarethe, die ihre schleichende Erblindung durch den Star stets mannhaft erduldet hatte, bis sie zuletzt die Weihnachtsgesänge am Klavier nur noch mithilfe von zwei übereinander getragenen Brillen hatte begleiten können, aber als sie dann zwischendurch einmal durch falsche Medikamentation für die Dauer eines langen Jahres ihren Geschmackssinn vollkommen eingebüßt hatte, bat sie schon nach wenigen Wochen dieses Leidens hartnäckig darum, dass man sie erschießen möge.

Den Wind im Rücken ging ich, in wehleidigen Gedanken gefangen, die von Neubauten gesäumte Schnellstraße entlang, die von einer sich an das Skyline Plaza tangential anschmiegenden Kurve geradewegs statdtauswärts in Richtung Offenbach führt. Der gedachte Einstichpunkt des großen Zirkels, mit dem diese Straßenführung auf einem virtuellen Reißbrett entworfen worden war, lag inmitten der ehemaligen Firmenzentrale der Deutschen Bahn AG, einem total unterschätzten Meisterwerk des brutalistischen Kathedralstils, das, erbaut nach Entwürfen Stephan Böhms, wie eine in Beton gefrorene Zusammenschau der stilistischen Entwicklung seines berühmten Vaters Gottfried wirkt: Neviges+Züblin=DB.

Schade eigentlich, dass ich in all den Jahren meiner früheren Besuche in Frankfurt kein Auge gehabt hatte, um mir ein solches Schmuckstück off the beaten path in Ruhe anzuschauen. Mittlerweile, denn das Einkaufszentrum und die sich entrollende Schnellstraßenbebauung sind erst der Anfang, ist es dafür zu spät. Einst muss diese ehemalige Firmenzentrale imposant gewesen sein. Nun erscheint sie als eine Sonderform von vielen, die auf dem gegenüber gelegenen Messegelände noch errichtet werden. Unter anderem ein Wohnturm der Lifestylemarke Porsche Design! Die vom Einkaufszentrum aus flankierende Bebauung der stadtauswärts führenden Straße besteht aus rhythmisch gesetzten Klötzen mit Balkonfronten und jeweils aufgesetzten Penthouses, wie sie insbesondere in der Berliner Innenstadt überall dort abgesetzt werden, wo noch eine rechtwinklige Lücke frei ist. Helle Fassaden, bronzefarbene Gitter und Fensterrahmen. An der Frankfurter Europa-Allee sind diese Häuser bereits, so schien es mir, in zwei unendlichen Reihen bis an den Horizont aufgestellt worden, sodass ich mir zwei stählerne Tiere vorstellen konnte, sehr groß und in der Art eines Imperial Walker, die hier Hand in Hand dem Straßenverlauf folgend in Richtung Offenbach unterwegs gewesen waren, um alle zwanzig Meter jeweils eines ihrer hausförmigen Eier zu legen. Vielleicht sind ja so oder so ähnlich die Fantasien eines Stadtplaners. Wobei das heute doch immer mehrere sind. Seltsam auch, dass ich mir nicht vorstellen konnte, jemals jemanden zu kennen, der in solch einem Gebäude dann tatsächlich wohnt. Aus irgendeinem Grund kenne ich ausschließlich Menschen, egal wo, übrigens, die Wert darauf zu legen scheinen, in möglichst alten, also historischen Gebäuden zu wohnen. Auch in die Läden und Restaurants, für die in den hausförmigen Eiern die Gewerbeflächen im Erdgeschoss geplant wurden mit ihren großen Schaufenstern in bronzefarbenen Rahmen und den dunkel gebeizten Holzböden hinter drei Meter hohen Eingangstüren aus Glas mit vertikal angebrachtem stabförmigem Türgriff aus gebürsteter Bronze, gehen die Menschen, die ich kenne, nicht. Man geht, und das auf der ganzen Welt, hier oder anderswo lieber in Läden und Restaurants, die von der Bauweise und ihrer Einrichtung her wie die Wohnungen und Häuser sind, in denen man wohnt.

Unterbrochen oder rhythmisiert wird die Europa-Allee nach einem Kilometer durch ein Verschwinden der Straße im Untergrund. Darüber wölbt sich dann in Zukunft ein Park, an dem momentan noch gebaut wird. Noch ist alles planiert, man bekommt Märklingefühle angesichts der weiten, braunen Fläche aus Mutterboden, die sich zwischen den hellen Gebäudereihen weit aufzuspannen scheint wie eine tatsächliche Leinwand, in die man bald hier oder dort ein paar ausgesucht wenige und kugelrund gestutzte Robinien hineinstecken könnte. Oder eine lange Reihe von Platanen, um in dem Park eine Zone mit dem Gepräge mediterraner Gefilde zu schaffen. Ganz am Ende der braunen Ebene, die bald schon im Frühjahr dicht mit saftgrünen Halmen bestreut werden wird, türmt sich ein Kegel aus Erde auf bis in eine Höhe von etwa zehn Metern. Es gibt einen Aussichtssturm, von dessen Plattform im dritten Stockwerk aus kann man sehr gut sehen, wie sauber und geometrisch dieser Erdkegel dort aufgeschichtet wurde. So verstärkt sich noch einmal das Gefühl, dass es sich lediglich um eine momentane Abwesenheit eines riesenhaften Baumeisters handelt (der stählernen Tiere), der hier mit seinen Materialvorräten in rasendem Tempo eine Neustadt erschafft.

Am Fuße des Aussichtsturmes, in einem wetterfesten Kasten für Aushänge der Anwohner, gibt es ein von der Sonne ausgebleichtes Plakat, auf dem die Apfelweinkönigin des Gallusviertels sich präsentiert. Heckenröschen aus Kunstseide ranken mit zwei Magneten befestigt an dem Plakätchen empor. Die Farbigkeit der Fotografie wurde durch das Ausbleichen auf die Druckfarben Magenta und Cyan reduziert. Die Gesichtszüge der jungen Frau sind vage geworden. Sie hält einen winzigen Bembel in der rechten Hand. Der Name der Apfelweinkönigin lautet Janina die Erste.

27.12.

Kaum habe ich mich beschwert, so scheint es, wurde mir der heutige Eintrag prompt im Traum beschert: »Verführungstipp: Perserkatze und rasierte Muschi«. Diese Worte waren hängen geblieben von einem Traumgeschehen, von dem ich vage noch weiß, dass ich in diesem Traum ein erfolgreicher Komiker war, der einmal in einem Straßencafé am Potsdamer Platz, der Abend war sommerlich orangefarben, mit bunten Punkten hoch über mir in der Luft, eine umjubelte Nummer brachte, die aus nur drei goldenen Sätzen bestand. Der mit der Perserkatze war da noch nicht dabei gewesen, zudem ich diesen ja angeblich rein aus Emojis formuliert erhalten hatte – was sich nun, während der Niederschrift, als traumtypischer Trugschluss entzaubert hat: Weder gibt es ein Emoji für Verführung, noch eines für Perserkatze, Rasierklinge, Schaum oder Vulva. Das habe ich aber öfter mal, dass ich im Traum einen funkelnden Satz überantwortet bekomme; einen Weltsatz, die Formel, und wenn ich den dann, aus einem solchen Traum erwacht, notieren will, steht dort plötzlich etwas Mattes, mit dem ich in der Welt ganz sicher nichts bewirken könnte. In den Augenblicken bis zum Lichtanschalten und Notieren aber, wenn ich im schlaftrunkenen Zustand versuche, meinen Funkelsatz herüberzuretten, ohne dass mir etwas von ihm abbricht oder verlorengeht, kommt er mir noch gehaltvoll vor und zauberhaft. Ähnlich wie dieser Veführungstipp, der ja, bei Lichte betrachtet nun auch nicht gerade. Schon gar nicht, wenn er nicht einmal ein einziges Emoji enthält. Als Komiker, der ich in diesem Traum gewesen war, wurde ich bis zum Moment des Aufwachens immer nur noch erfolgreicher und von daher auch erst sehr, dann ziemlich reich. Zum Schluss hin spielte das Wetter draußen keine Rolle mehr, weil ich da bereits in einer großen Wohnung lebte, deren geschwungene Wände mit Holz verkleidet waren. Es gab Hunderte von Schubladen, die ich anscheinend niemals aufzuziehen nötig hatte. Auch verließ ich diese Wohnung nie während meines Traumes. Ich war bewaffnet, weil andere Komiker mir ans Leben wollten. In dem Moment kurz vor dem Aufwachen, als mir der Verführungstipp überantwortet ward, erteilte ich einem von meinen Leuten Schießunterricht in einem verglasten Windfang, der ebenfalls zu meiner Wohnung gehörte. Ich konnte mich dann kaum noch konzentrieren, sonderte mich ab, um ungestört die magischen Worte Perserkatze und rasierte Muschi auf mich wirken zu lassen. Die Worte wurden mir von den Emojis, die mit leuchtenden Farben in helle Plastiktäfelchen graviert waren, verkündet. Entweder schwebten die um mich herum, vielleicht hielt ich sie auch einfach in der Hand.

26.12.

Das schimmlige Brot liegt zuoberst. Nichts lockt mich, um es mit Max Goldt zu sagen, bei dem einst stets etwas zu locken schien, was sich dann mit der Annäherung daran als leider nur schimmliges Brot entzaubern ließ. Wobei, das stellte ich dann heute früh im Dämmer fest, die Landschaft hier bei -1,25 Dioptrien einen noch tristeren Anschein macht als hinterher mit Brille auf. Täte mich nicht wundern, wenn ich das nur geträumt hätte. Denn im gar nicht symbolischen Tausch für mein traumhaftes Leben sind meine Träume zu Abwasser geworden. Vermute ich, aber noch nicht einmal das ist geklärt, da ich mich an meine Träume so gut wie gar nicht mehr erinnern kann.

Seit ich das Schlafzeitenregulierungsprogramm verwende, wache ich mit einem Bewusstsein auf wie blankgewischt; wäre vielleicht auch nicht tragisch, wenn ich nicht dennoch ahnte, oder sogar wüsste, dass ich aber sehr wohl etwas geträumt hatte (es gibt ja auch Leute, die behaupten stoisch und dabei auch stets prompt, sie träumten »nie«. Gerade so, als ob Träumen für sie so ein ansteckendes, schuldbesetztes, parasündiges Randgruppending sei wie Homosexualität). Selbst beinahe direkt vor dem Einschlafen eingespeiste Lektüre wie am gestrigen Abend noch Wilhelm Reich hinterläßt anscheinend keine nennenswerten Spuren.

»Zur Zeit, als die Koliken am stärksten waren, hatte der Patient Träume, denen die Tendenz zugrunde lag, vom Arzt durch den Mund befruchtet zu werden. Am Tage traten heftige Kopfschmerzen auf. Ein solcher Traum lautete: ›Unser Installateur repariert unsere Rohrleitungen, ich bin dabei, plötzlich setzt er einen Spülapparat in Gang, die Flüssigkeit versprüht wie feiner Nebel (ich werde naß) und schmeckt salzig.‹ Die Einfälle zum ersten Teil ergaben sofort, dass der Installateur den Analytiker darstellt, der die Rohrleitungen, d.h. das Glied des Patienten, reparieren soll. Der zweite Teil enthält einen affektiven Widerstand gegen die Heilung der Impotenz und die Erfüllung eines bevorzugten Wunsches: Der Analytiker befruchtet (Einfall) mit Urin durch den Mund (salziger Geschmack)«. Woraufhin Reich sich auf den nächsten Seiten seiner Analyse des imaginären Rohrleitungssystems hingibt. Daraus, aus diesen von ihm diskursiv freigelegten Röhren, entsteht wenig später nicht bloß das Rhizomatische bei Gilles Deleuze und Félix Guattari, sondern vor allem auch die Urszene des Pornographischen zur Zeit meiner Jugend (Ära VHS), als die Szene noch häufig damit losging, dass ein angeblicher Klempner bei einer angeblichen Hausfrau anklopfte, um ein imaginäres Rohr zu verlegen. Wilhelm Reich ahnt zu seiner Zeit noch nichts von dieser Wucherung seines analytischen Rohrleitungssystems in die Reiche der kollektiven Traumproduktion hinein: »Das Interesse für die Rohrleitungen diente ebenso analen wie urethralen Tendenzen«.

Kann doch nicht wahr sein, dass ich nach solcher Lektüre nichts nennenswertes an Traum zustande bringe. Und wenn doch, dass es das Schlafregulierungsprogramm sein soll, das sie mich spurlos vergessend machen kann. Bei Leopold S.M. Ist es »ein Buche von Hegel«, über dem er einschläft, woraufhin ihm in dem folgenden Traume dann Wanda erscheint, nackt im Pelz.

Hier dagegen: George Michael ist tot (gähn).

Weihnachten

In der Dunkelheit losgefahren und in der Dunkelheit dort angekommen, wo ich noch nie gewesen war. Hier und da dann noch ein Haus, zu erkennen daran, dass in einem seiner Fenster der Schwippbogen leuchtete. Am Morgen des Heiligabends zeigte sich das ehemalige Zentrum der deutschen Kautabakproduktion in trübes Licht gehüllt; die Burgruine auf dem schwippbogenhaft geschwungenen Ausläufer des Südharzgebirges blieb gleich im Nebel versteckt. Auf der von den Pferden verschmähten Wiese neben dem Haus las ich sechs große und ein kleines Schneckenhaus aus dem nass verfilzten Gras. Drumherum lagen noch ganz viele, aber halbierte. Und Trümmer davon.

Im Fenster des Cafés Zur Herrenwiese hing ein Schild: »Kluge Frauen folgen ihren Männern / Wohin sie wollen«. Das Café hat über die Festtage geschlossen. Eigentlich waren wir auf der Suche gewesen nach Kerzenhalterungen. Im einzigen Gemischtwarenladen lief gerade ein Gespräch über die Niederungen des weihnachtlichen Konsumterrors, dass man sich früher noch über eine Orange hatte freuen können, und das auch noch ehrlich, aber heute musste es ja unbedingt gleich das Tablet sein. Kerzenhalterungen aber ebenfalls Fehlanzeige. »Nichts, das nicht schwände«, wie Botho Strauß, der Naumburger, es einst hatte feststellen können. Und mittlerweile hoffentlich noch immer kann.

Demenz in all ihren Formen, die Mannigfaltigkeit der Demenz, als da wären: die wütende, die anschmiegsame, fast unzertrennlich wirkende Demenz, und die galoppierende, die schleichende, die allfällige, sowie auch die weihnachtlich zahme, die gute und brave Demenz. Im Zweifel aber doch stets die Demenz ist als Thema hier allgegenwärtig. Demenz des Ostens, des einstigen Lebens, des Harzes, der Kautabakproduktion, die Demenz Naumburgs und die Demenz von Botho Strauß. Nichts, das nicht schwände. Vor der ehemaligen Bäckerei Slash Konditorei fegte der ehemalige Bäcker und Konditor den Bürgersteig und beantwortete sehr gerne meine Frage nach der verschwundenen Kautabakproduktion. Sein Vater beispielsweise hat noch gepriemt. Dann bat er uns herein, um uns den Verkaufsraum und die dahinter gelegene Backstube seines vorzuführen. Klaffend, und an den gekachelten Wänden noch die Spuren der herausgerissenen Maschinen. Vor allem der Ofen fehlte (wie in vermisst). Dafür stand nun ein Tischtennistisch mitten im Raum. Auf der Platte standen die zum Überwintern eingestellten Pflanzen in Eimern aus Plastik dicht beieinander. Aus Dosen entnahm er rollgriffweise Weihnachtskekse, überreichte eine kleine Tüte. Ein Relief aus Bronze mahnt den Betrachter, das Brot zu loben, weil es doch Frucht der Arbeit sei. Die Kekse schmecken noch genau so wie früher, also gar nicht. Nichts, das nicht schwände? Von wegen!

Die Kirche innen: verblüffend schön. Was ihr von außen nicht anzusehen gewesen war. Vermutlich liegts aber an den Jahrzehnten des praktizierten Atheismus, dass der Gottesdienst herzlos durchgezogen wurde und nicht gefeiert. Am Mikrofon stand eine junge Frau mit dunklem Schopf, die sich als Vertreterin des Pfarrers vorzustellen hatte, der an diesem Abend in einer anderen Gemeinde den Gottesdienst an Heiligabend hielt. Es offenbarten sich dann noch weitere Probleme im Umgang mit der Feier des christlichen Ursprungsmythos: Der Organist war auf dem Sprung, hatte nach vier von fünf Liedern noch woanders zu tun und verabschiedete sich deswegen sang und klanglos vor dem Segensspruch. Während die reizend verkleideten Kinder vor dem Altar ein Krippenspiel aufführten, meldete sich von der Kanzel herab die Handpuppe eines Rabens, um dort ein Kasperletheater zu veranstalten, beziehungsweise mit unverstellter Männerstimme die Weihnachtsgeschichte vorzutragen. Dann kamen die heiligen drei Könige, allerdings ohne ihren Kumpel aus dem Morgenland. Dann wieder Singen. Dann musste der Organist zum Bus. Na ja. Ohne Ton hätte es allen viel besser gefallen. Mittlerweile ist es aber auch so, dass auf den unteren Etagen recht bald die Smartphones herausgeholt werden, wenn der Gottesdienst nervt. Plus es fehlt halt auch Schnee. Wenigstens war es schön dunkel.

Kerzenhalterungen, allerdings für Grablichter gedacht eigentlich, fanden wir dann in einer Art 1-Euro-Shop am Wegesrand. Alles, vom Nagellackfläschchen und der Wunderkerzengroßpackung über das grüne Gästehandtuch bis hin zur Grablichtbefestigungsklemmhalterung kostete hier pro Stück 1 Euro 49. Es war also genaugenommen ein 1-Euro-49-Shop, der aber vom Konzept her demjenigen eines 1-Euro-Shops folgte, wie wir sie aus unseren Heimatstädten Frankfurt, beziehungsweise Berlin bereits kannten. Neuartig war, neben dem beinahe um die Hälfte höheren Preis für die einzelnen Produkte eines wie gewohnt beinahe willkürlich zusammengewürfelt oder -gekippt anmutenden Sortiments, auch die kompetente Beratung der Inhaberin betreffs unseres Anliegens. In der Großstadt undenkbar, hier auf dem ostdeutschen Land aber quasi natürlich, erteilte man uns Ratschläge, wie die zahlreich vorhandenen Kerzen an den Zweigen des Weihnachtsbaumes zu befestigen waren. Improvisierenderweise. Die uns für ebenfalls 1 Euro 49 verkauften Wäscheklammern aus Holz wurden dann letztendlich doch nicht benötigt, da sich die langen Dorne der Grablichtbefestigungsklemmhalterung anstandslos durch das zähe Holz der Zweige treiben ließen.

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